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Freitag, 28. Januar 2011

Q303: Das Eisenbahngesetz von 1957

Die besten Geschichten schreibt das Leben, die allerbesten jedoch die ÖBB. Gestern hatte ich wieder eine unheimliche Begegnung der anderen Art mit den Hacklergeregelten Frühpensionisten mit 42.

Der Zug um 18:20 ist immer gerammelt voll. Ich hasse diese Züge. Um die Zeit ist am meisten los und trotzdem gibt’s nur Kurzzüge. Bei der Zugankündigung: „Dieser Zug wird als Kurzzug geführt!“, werden die Leute schon hektisch.

Sofort springen alle auf, um sich richtig am Bahnsteig zu positionieren und gleich den Einstieg zu haben. Ready to rumble. Da fährt die Eduscho-Buchhalterin genau so ungeniert den Ellbogen aus wie der Referatsleiter der MA 666 der den Sitzplatz vor der Eduscho-Tante ergattern will.

Alte Zugfahrhasen, so wie ich, wissen wo sie sich am Bahnsteig postieren müssen.
  • Erste Türe, erstes Abteil = U-Bahnaufgang + 3 Fliesen nach Links
  • Zweite Türe, zweites Abteil = Ende zweite Säule + 2 Fliesen nach rechts
So ist es zumindest bei den alten Zügen. Aber nur wenn der Zug auch beim Zeichen Kurzzugende stehen bleibt. Bei den Neuen muss der geneigte Sitzplatzbekommer (aka Eduscho, aka MA 666, aka ich) zwei Fliesen dazu zählen. Da sind die Abstände zwischen den Türen nämlich anders. Hat da gerade wer Monk gesagt?

Die S7, also meine Strecke, ist die Strecke zum Flughafen. Da sind die Züge immer gerammelt voll, die Kurzzüge gerammelt voller. Am meisten ist beim Einstieg los. Dort müssen die Leute dann stehen die die Zauberformel (2 Fliesen links von …) nicht kennen und eben zu letzt einsteigen. Aber das ist OK. Ich weiß auch nicht bei welcher Fliese ich am Hamburger Hauptbahnhof stehen muss. Eingefädelt, ausgeschieden!

Also, wie gesagt. Begegnung der anderen Art.

Der Zug ist noch immer gerammelt voll. Beim Einstieg stehen die geschlichteten Sardinen. Darunter vier Reisende mit Sombrero und großen Rücksäcken. Einfahrt Haltstelle Kledering. Der Zugführer testet die Bremsen. Die Massen kommen ins trudln. Einer der Sombreros fliegt waagrecht in die Notruftaste. Was heißt eigentlich „Festhalten“ auf spanisch?

Die Notruftaste fängt zum Brummen an. Tüllü-Tüllü, Tüllü-Tüllü. Plötzlich ertönt die sonore Stimme des Zugbegleiters im schönsten ÖBB-Deutsch: „Wooos is?“. Keiner fühlt sich zuständig zu Antworten. Wie auch. Wenn er fragen würde „¿Qué está pasando“, dann ja. Aber mit „Wooos is?“ gibt es keine Torte zu gewinnen.

Daher ein zweiter Versuch: „Hallo, nau waus is jetzta!“. Die Sombreros wundern sich wo die Stimme herkommt, blicken sich fragend an und verstehen nur Bahnhof … [Estación]

Eine der anwesenden Sardinen erbarmt sich und antwortet für die Sombreros. „Entschuldigen sie, da hat wer irrtümlich die Taste berührt!“ – „Wos hast irrtümlich, des geht net! Gibt’s a Problem?“ – „Nein“ – „Waarum druckns daun! Des diaffns net, des is vabotn!“ – „OK, wir haben verstanden. Es ist alles in Ordnung! Es war ein Versehen.

Wos hast Vasehn? Se diaffn des net“ – „Warum haums de Blombn auwedaun?“ – „Das haben wir nicht. Da ist keine Plombe drauf!“ – „Se diaffn trotzdem net druckn! Unbefugtes Verwenden ist strafbar!“ – „Ich sagte schon es tut mir leid!“ – „Was haast es tuat lad, des geht net! Laut Eisenbahngesetzt von 1957 dürfen die Alarmvorrichtungen nur…

Eine andere Sardine, Typ junger Scheiß-mi-nix, mischt sich ein und kapert die Sprechfunkanlage: „Heast Schinen-Taxler. Waunst net gleich weidafoast kum i vire und moch da an Einlauf mit dein Eisenbaunagesetz! Mei Fliga geht in ana hoibn Stund und i bin eh scho tschped draun!

Da der verdutzte Schienen-Taxler (aka Zugführer) darauf mit dem Schließen der Türen reagiert und den Zug in Bewegung setzt, wurde nichts aus der erhofften Alltagsdiskussion über die zentrale Frage nach der unbefugten Verwendung der Notruftaste und dem Eisenbahngesetz von 1957.

Was heißt eigentlich Einlauf auf spanisch?

Dienstag, 20. April 2010

Q163: Wo zum Teufel liegt "Garrwöinsl"?

Bahnhof Wien Mitte. Ein Touristenpärchen studiert den Fahrkarten-Automat der ÖBB. Nachdem ihnen die Hilflosigkeit ins Gesicht geschrieben steht, entschließe ich meine Hilfe anzubieten. Was soll schon schief gehen? Ich bediene ja das Gerät mindestens einmal im Monat. 

Die Beiden entpuppen sich als Amis. Fein, kann ich gleich a bissal Englisch üben. Normalerweise starte ich jede Englischkonversation mit „Well now…“. Damit schalte ich mein Gehirn in den „Englisch Modus“, das hat mir meine Englischlehrerin als Trick mitgegeben. „Well now…“ brauch ich in dem Fall nicht, jetzt schalte ich in den „Englisch Modus“ mit „May i help you?“. Geht auch.

Ich denk mir, die Beiden wollen zum Flughafen, d.h. dass habe ich im kleinen Finger. Doch erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Die wollen nach „Garrwöinsl“. Scheiß wo wollen die hin? „Garrwöinsl“ entpuppt sich dann als Gaweinstal.

Nach 3 Minuten geht’s mir wie den Beiden. Ich bin verloren in den Tiefen der verschiedenen Zielbahnhöfen, Zonen, Strecken und Teilstrecken. Aber alles kein Problem, lacht mich doch ein Button mit der Aufschrift „Information“ an. Das muss die Helpfunktion sein. Doch statt einer Kontextsensitiven Hilfe bekomme ich den Kontextsensitiven Scheißhinweis: „Bitte wählen“. Aber zumindest in vier verschiedenen Sprachen wendet sich die ÖBB an ihre frustrierten Kunden. Das nenne ich Kundenservice, dass muss man den Frühpensionisten mit 42 schon lassen.














Irgendwann kommen wir endlich dazu die amerikanische Mastercard ins Spiel zu bringen und was passiert? Irgendein Systemupdate haut die Transaktion zusammen und der Automat geht auf „Außer Betrieb“. Die beiden armen Schweine glauben sicher sie sind bei der versteckten Kamera, halte ich doch den ganzen Vorgang fototechnisch mit dem Handy fest. Alles Beweise für mein Blog!














In dem Moment als die Fahrkarten-Gurke wieder hochkommt, fährt mein Zug ein und ich muss mich vertschüssen. Nicht ohne mich vorher noch für die ÖBB zu entschuldigen und „good luck“ zu wünschen.

Ob die ÖBB schon mal was von Usability Tests gehört hat?